Verhinderungspflege

Vorübergehende Ersatzpflege für pflegebedürftige Angehörige
Inhalt dieses Beitrags

Pflegende Angehörige sind häufig einer enormen Dauerbelastung ausgesetzt und auf jegliche Art der Unterstützung dringend angewiesen. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass die Pflege des geliebten Menschen auch dann gesichert ist, wenn die pflegende Person selbst dazu einmal nicht in der Lage ist, zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung, eines Urlaubs oder wegen alltäglicher Anlässe wie einer Verabredung mit Freunden ins Kino oder Restaurant oder auch einem Frisörbesuch. Für solche Fälle haben Pflegebedürftige, denen mindestens Pflegegrad 2 zuerkannt wurde, Anspruch auf sogenannte Verhinderungspflege. Dabei handelt es sich um die Ersatzpflege durch eine andere Person, die in der häuslichen Pflege dann zum Einsatz kommt, wenn der oder die hauptsächlich Pflegende vorübergehend keine Zeit hat oder die Pflege aus anderen Gründen nicht übernehmen kann. Welche Gründe das genau sind, spielt dabei allerdings keine größere Rolle, solange die Voraussetzungen für eine Verhinderungspflege erfüllt sind.

Voraus­setzungen für eine Verhinderungs­pflege

Die wichtigste Voraussetzung dafür, dass die Pflegekasse eine Verhinderungspflege gewährt bzw. eine Kostenübernahme stattfindet, ist der Bezug von Pflegegeld. Das bedeutet, es muss mindestens Pflegegrad 2 vorliegen, um Anspruch auf Verhinderungspflege zu haben. Bei Pflegegrad 1 bezahlt die Pflegekasse eine Verhinderungspflege nicht. Außerdem muss die betroffene Person bereits seit mindestens sechs Monaten in ihrem häuslichen Umfeld gepflegt werden. Wie die Verhinderungspflege aussieht bzw. wer als Verhinderungspflegekraft tätig wird, kann unterschiedlich sein. Die Verhinderungspflege kann ausgeführt werden durch:

  • Nahe Angehörige
  • Ehrenamtlich Pflegende, zum Beispiel Freunde oder Nachbarn
  • Ambulante Pflegedienste
  • Einzelpflegekräfte
  • In einer stationären Pflegeeinrichtung

Der Anspruch auf Verhinderungspflege besteht für maximal sechs Wochen bzw. 42 Tage pro Kalenderjahr und kann auch stundenweise genutzt werden kann, zum Beispiel wenn die Pflegenden selbst zum Arzt müssen oder anderweitige private Termine oder Verabredungen haben. Die pflegende Person selbst muss allerdings auch bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um sich von einem Verhinderungspfleger vertreten lassen zu können. So muss sie zum Beispiel ihren pflegebedürftigen Angehörigen ebenfalls seit mindestens sechs Monaten in seinem Zuhause betreuen und als Gegenleistung für ihre Unterstützung Pflegegeld bekommen, welches der Pflegebedürftige von der Pflegekasse bezieht. 

Antrag auf Verhinderungs­pflege stellen

Wie bei allen Leistungen der Pflegekasse, muss auch für die Verhinderungspflege ein Antrag gestellt werden. Da manche Termine wie plötzliche Arztbesuche oder andere ungeplante Ereignisse schwer vorherzusehen sind, können pflegende Angehörige den Antrag auf Ersatzpflege bzw. auf Kostenerstattung auch noch rückwirkend einreichen, also nachdem sie die Verhinderungspflege bereits in Anspruch genommen haben. Steht allerdings etwas an, dass mit mehr Vorlauf geplant werden kann, beispielsweise eine Urlaubsreise, sollte in diesem Fall auch der Antrag auf Verhinderungspflege rechtzeitig bei der zuständigen Pflegekasse gestellt werden. Die meisten Pflegekassen stellen das entsprechende Formular online zum Download bereit, sodass es einfach ausgefüllt und eingereicht werden kann. Wichtig ist außerdem, dass er sich bei einem Verhinderungspfleger nicht um eine eingetragene Pflegeperson handeln darf. Das bedeutet, wenn mehrere Personen, zum Beispiel Frau und Tochter eines Pflegebedürftigen, bei der zuständigen Pflegekasse als Pflegepersonen gemeldet sind, sind sie jeweils von der Verhinderungspflege ausgeschlossen. Vertreten sie sich gegenseitig in der Pflege, bezahlt die Pflegekasse also kein Verhinderungspflegegeld.   

Was zahlt die Pflege­kasse für die Verhinderungs­pflege?

Bis zu welcher Höhe die Pflegekasse jährlich die Kosten für die Ersatzpflege übernimmt, hängt unter anderem davon ab, wer als Verhinderungspflegekraft tätig wird. Handelt es sich dabei nämlich um einen nahen Angehörigen des Pflegebedürftigen oder Personen aus demselben Haushalt, beschränkt die Pflegekasse das Verhinderungspflegegeld auf das 1,5-fache des Pflegegeldes. Wird die Verhinderungspflege von Verwandten dritten Grades, Nachbarn, Freunden, anderen Personen, die nicht im selben Haushalt leben oder auch von einem ambulanten Pflegedienst übernommen, liegt die Obergrenze des Verhinderungspflegegeldes bei 1.612 Euro jährlich. Wird der Betrag für die Kurzzeitpflege nicht ausgeschöpft, können davon außerdem 806 Euro pro Jahr zusätzlich für die Verhinderungspflege genutzt werden. Die mögliche Summe, die von der Pflegekasse jährlich für Verhinderungspflege gezahlt wird, liegt dann bei maximal 2.418 Euro. Beachten sollte man dabei allerdings auch, dass die Pflegekasse während der Zeit der Verhinderungspflege nur die Hälfte des Pflegegeldes an die pflegebedürftige Person ausbezahlt. Wird die Verhinderungspflege aber nur stundenweise in Anspruch genommen, also weniger als acht Stunden täglich, bleibt die Höhe des Pflegegeldes unverändert.          

Wo liegt der Unterschied zwischen Verhinderungs­pflege und Kurzzeit­pflege?

Neben der Verhinderungspflege steht bei Veränderungen im Umfeld von Pflegebedürftigen häufig auch die Kurzzeitpflege im Raum. Zwar lässt sich ein Teil des jährlichen Budgets für die Kurzzeitpflege auf die Verhinderungspflege übertragen, sofern es nicht ausgeschöpft wird, grundsätzlich erfüllt die Kurzzeitpflege aber einen ganz anderen Zweck und findet außerdem nicht im häuslichen Umfeld, sondern immer stationär statt. Die Kurzzeitpflege ist bis zu acht Wochen pro Jahr möglich und dient vorrangig nicht der Versorgung der Pflegebedürftigen während die Pflegeperson im Urlaub ist oder ähnliches, sondern als Lösung im Notfall. Die Kurzzeitpflege kommt zum Beispiel infrage, wenn die Pflegeperson selbst plötzlich für längere Zeit ins Krankenhaus muss oder wenn sich der Pflegeaufwand des Pflegebedürftigen kurzfristig in einem solchen Maß steigert, dass er von der Pflegeperson zu Hause nicht mehr bewältigt werden kann. Das kann zum Beispiel nach einem Sturz, nach einer Operation oder ähnlichem der Fall sein. Vom jährlichen Kurzzeitpflege-Budget in Höhe von maximal 1.774 Euro, das die Pflegekasse an Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 oder höher bezahlt, kann wie erwähnt ein Teil auch dem Budget für Verhinderungspflege hinzugerechnet werden, sofern es nicht verwendet wurde. So lässt sich das Verhinderungspflegegeld pro Kalenderjahr um 806 Euro aus der Kurzzeitpflege aufstocken. 

24-Stunden-Pflege­kräfte als Verhinderungs­pfleger?

Wer dem Wunsch eines Angehörigen entsprechen möchte, zu Hause gepflegt zu werden, ist oft im Zwiespalt und sieht sich hin- und hergerissen zwischen den Wünschen und Bedürfnissen des Pflegebedürftigen und den eigenen. Eine Möglichkeit, beidem gerecht zu werden, ist die 24-Stunden-Pflege. Hierbei lebt eine meist polnische Pflegekraft mit der pflegebedürftigen Person im selben Haushalt und kann so nicht nur eine optimale Versorgung gewährleisten, sondern auch im Notfall oder auf sich ändernden Pflegeaufwand schnell reagieren. Aber nicht nur als Dauerlösung kommt eine 24-Stunden-Pflegekraft in Frage, sondern auch im Rahmen einer Verhinderungspflege. Wird zum Beispiel eine pflegebedürftige Person von einem nahen Angehörigen zu Hause gepflegt und die Pflegeperson plant einen längeren Urlaub, lässt sich die Ersatzpflege auch mithilfe einer 24-Stunden-Pflegekraft realisieren. Von den maximal 2.418 Euro, welche die Pflegekasse pro Jahr für Verhinderungspflege bezahlt, lässt sich – abhängig von Pflegegrad und Pflegeaufwand – in der Regel eine 24-Stunden-Pflege für den Zeitraum von vier bis sechs Wochen finanzieren. 

Wir bringen Sie direkt mit der passenden Betreuungskraft zusammen – ohne Agenturen. ennie begleitet Sie dabei.

Mit ennie die richtige 24-Stunden-Pflege­kraft fin­den

Egal ob Sie eine 24-Stunden-Pflegekraft für die dauerhafte Pflege zu Hause oder im Rahmen einer Verhinderungspflege suchen: Wir von ennie wollen Pflegebedürftige sowie deren Angehörige und Betreuungskräfte auf unserer Plattform unkompliziert zusammenbringen und trotzdem eine hohe Qualität der Pflege ermöglichen. Deshalb durchlaufen alle Pflegekräfte bei ennie nicht nur ein persönliches Aufnahmeverfahren, sondern verfügen auch über aussagekräftige Profile einschließlich Bewertungen aus früheren Pflegeeinsätzen. So können sich Pflegebedürftige auf der Suche nach der passenden Pflegekraft schon vor dem ersten Kontakt ein umfassendes Bild machen und sehen, ob die Angaben im Profil den Anforderungen der persönlichen und auch der Pflegesituation entsprechen. Hat sich der erste positive Eindruck beim Kennenlerngespräch mit der Betreuungskraft bestätigt, vereinbaren Sie alles weitere direkt mit ihr. Denn wir von ennie haben dabei lediglich eine vermittelnde Funktion. Alle 24-Stunden-Pflegerkäfte auf unserer Plattform sind selbständig tätig, bezahlen keine teuren Agenturgebühren und verdienen somit ein angemessenes Honorar. Und das kommt nicht nur den Betreuungskräften selbst zugute, sondern in Form der Pflegequalität auch den Pflegebedürftigen.         

Finden Sie die passende Pflegekraft für Ihre Angehörigen
Wir bringen Sie direkt mit der passenden Betreuungskraft zusammen – ohne Agenturen. ennie begleitet Sie dabei.

Die wichtig­sten Fra­gen

Wer hat Anspruch auf Verhinderungs­pflege?

Die wichtigste Voraussetzung für die Verhinderungspflege ist, dass der pflegebedürftigen Person mindestens Pflegegrad 2 oder höher zuerkannt wurde. Werden Pflegebedürftige seit mindestens sechs Monaten von Angehörigen im häuslichen Umfeld gepflegt, besteht in der Regel Anspruch auf Verhinderungspflegegeld. Die Verhinderungspflege dient zur vorübergehenden Ersatzpflege, wenn die eigentliche Pflegeperson verhindert ist. Der Grund dafür ist dabei gar nicht entscheidend, das kann ein Arztbesuch oder ein Frisörtermin ebenso sein wie ein Wochenendausflug oder ein längerer Urlaub. Verhinderungspflege wird für einen Zeitraum von maximal sechs Wochen pro Kalenderjahr gewährt.

Was ist der Unterschied zwischen Verhinderungs­pflege und Kurzzeit­pflege?

Grundsätzlich erfüllt die Kurzzeitpflege einen anderen Zweck als die Verhinderungspflege und findet auch nicht im häuslichen Umfeld, sondern stationär statt. Die Kurzzeitpflege ist bis zu acht Wochen pro Jahr möglich und dient vorrangig nicht der Versorgung der Pflegebedürftigen während die Pflegeperson im Urlaub ist oder ähnliches, sondern als Lösung im Notfall. Die Kurzzeitpflege kommt zum Beispiel infrage, wenn die Pflegeperson selbst plötzlich für längere Zeit ins Krankenhaus muss oder wenn sich der Pflegeaufwand des Pflegebedürftigen kurzfristig in einem solchen Maß steigert, dass er von der Pflegeperson zu Hause nicht mehr bewältigt werden kann. Das kann zum Beispiel nach einem Sturz, nach einer Operation oder ähnlichem der Fall sein.

Julia Gries
Julia Gries
Hallo lieber Leser, mein Name ist Julia vom ennie-Team. Ich schreibe unsere Ratgeber-Artikel, welche unser Wissen zur häuslichen Betreuung in Struktur bringen und an unsere Leser weitergeben.
5/5 - (11 votes)
Ähnliche Themen
Altern ist kein einfacher Prozess und bringt für alle Menschen Veränderungen mit sich, manchmal nur kleine, manchmal aber auch sehr große. Das eigene Leben im Alter sollte man deshalb möglichst früh thematisieren, denn nur so kann man entsprechende Vorkehrungen treffen. Wer gut vorbereitet in den Herbst des Lebens startet, kann das nicht nur mit einem besseren Gefühl tun, sondern entlastet im Fall des Falles auch seine nahen Angehörigen.
Angehörigen beim Altern zuzusehen, ist oft schwer, vor allem, wenn zum Beispiel die eigenen Eltern zunehmend gebrechlich werden, mehr und mehr Unterstützung brauchen und von der Hilfe anderer abhängig sind. Meistens kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem Betroffene mit ihren Familien das Thema Altenpflege besprechen.
Trustpilot
Bitte wählen Sie Ihre Sprache
Für Pflegebedürftige
Für Pflegekräfte